18.03.2010

Angekommen!

(Seb)

Gestern Nacht ritten wir mit Polizeischutz nach Banjul ein. Abgesperrte Kreuzungen saeumten unseren Weg, ein kleines Buschfeuer am Wegrand sorgte fuer die richtige Stimmung, als wir in zwei Mercedes Benz 124ern und einem Audi 100 die Kuestenstrasse zwischen Banjul und Serekunda entlang rasten. Vorn an Jumbo und unsere Mandy (so heisst uebrigens unser Auto) mit kompletter Festbeleuchtung, dann wurde in der Mitte Platz gemacht und Africar uebernahm mit Vollgas die Fuehrungsrolle. Gegen 21 Uhr dann die Einfahrt in die “Blue Kitchen”, dem Zielpunkt der Rallye Dresden-Dakar-Banjul. Das Blaulicht des Polizeimotorrads erhellte die Nacht und “Jumbo Pott fuer Africar” entschied geschlossen ein Rennen ueber zweieinhalb Wochen und 7.500 Kilometer fuer sich. Erster, erster, erster. So faehrt man Rallye; getreu unserem Motto: “Wenn Engel reisen…”.

Mehr zum gestrigen Tag und der heissesten Etappe der Tour spaeter am heutigen Tag! Jetzt springe ich erstmal in den Pool!

Zur Etappe: Tag 15

St. Louis -Banjul

Um 5.30 Uhr, also viel zu frueh, klingelte der Wecker in unseren Zelten. Schnell wurde alles zusammen gepackt, bevor es im Konvoi mit Zolleskorte gen gambische Grenze ging. Die anstrengendste Etappe der Rallye wuerde es werden, da waren sich die Orgs sicher. Und sie sollten Recht behalten. Was mit entspannten 25 Grad am Morgen begann, endete mit wiederum entspannten 28 Grad am abend. Dazwischen fand einer der heissesten Tage statt, die ich je erlebt habe. Selbst die Temperaturen in der Sahara kamen da nicht dran. Einer der Orgs hatte am fruehen Nachmittag eine Temperatur von 42 Grad im Schatten gemessen, in der Sonne waren es sicherlich ueber 50 Grad. Der Wind, der normalerweise fuer Kuehlung sorgen soll, war noch heisser. So heiss, dass man die Hand nach kurzer Zeit wieder ins Auto ziehen musste, wenn man sie fuer “Kuehlung” mal rausgehalten hatte.

Anstrengend war die Etappe auch deshalb, weil die Strecke sehr anspruchsvoll war. Gerade die letzten Kilometer vor der Grenze nach Gambia hatten es in sich: was irgendwann einmal eine Strasse gewesen war, durfte sich nun “Schlagloch-Bingo-Strecke” nennen. Zu Beginn des Abschnitts schonten wir unseren Benz noch, irgendwann merkten wir aber, dass eine Schnelle Ueberfahrung der Schlagloecher fast schon noch besser fuer das Fahrwerk des Autos war. Also hiess die Devise: Vollgas.

Der Grenzuebertritt nach Gambia verlief reibungslos und unafrikanisch schnell, “Schuld” waren die Orgs, die schon mit den Paessen vorgefahren waren, um alles zu regeln. Wir hatten dann das Glueck, dass wir zur rechten Zeit am rechten Ort waren und einen Platz auf der ersten Faehre ueber den Gambiariver bekamen. So konnten wir dann auch den ersten Platz in der Gesamtwertung belegen, wie die ersten Zeilen dieses Textes beweisen.

Vor 19 Tagen standen wir noch in der Naehe von Dresden und waren uns nicht sicher, was auf uns zukommt. Nun sitze ich an der Bar der Baobab Lodge in Banjul, trinke ein kaltes JulBrew und kann ueberhaupt nicht fassen, dass die Rallye vorbei ist. Es ging alles so schnell und doch so langsam, es dauerte und flog vorbei, es war anstrengend, aufregend, kraftraubend, lustig, auch langwierig und stressig. Aber vor allem waren es 19 Tage voller neuer Erfahrungen, grenzueberschreitender Freundschaft, neuen Menschen, die aus ganz anderen Lebensumstaenden kamen und trotz ihrer Armut uns mit offenen Armen und Herzen empfingen. Es war touristisch,Abenteuer, schlecht fuer die Gesundheit, gut fuer die Lebenserfahrung, atemberaubend und stellenweise erschreckend. Es hat die Augen geoeffnet und die Seele beruehrt, es hat neue Freundschaften gebildet (Jumbo und Africar, ihr seid die Besten) und mich persoenlich weiter gebracht, Meinungen zerschlagen und neue Meinungen aufgebaut, den Horizent erweitert.

Die Rallye ist an sich zu Ende, doch die Rallye im Kopf, die Verabeitung der letzten zweieinhalb Wochen, beginnt genau jetzt. Und die Versteigerung oder Abgabe des Autos an eine Organisation steht noch vor uns, ausserdem werden wir ziemlich bald in das alltaegliche Leben in Afrika eintauchen und unsere Spenden uebergeben. Heute ist aber erst einmal entspannen angesagt, ich kann endlich wieder ganz in Ruhe Mails checken und die Informationen aus der Heimat einordnen. Routine stellt sich aber bei weitem nicht ein, denn immer wieder gegegnen wir neuen Eindruecken, die sich in unseren Gehirnen einbrennen werden und wahrscheinlich noch fuer einige Anfluege von Fernweh sorgen werden. Momentan sind wir aber ziemlich froh, erst einmal alles hinter uns zu lassen und am Pool zu entspannen.

Die Fotos der letzten Tage reichen wir nach, wenn die erste Muedigkeit (Art ist fuer das Fruehstueck aufgestanden und dann wieder ins Bett gegangen) vorbei ist. Nur eines hab ich direkt hinzugefuegt, so als Anregung zum Neid. :)

Wir haben es also geschafft und sind nun endlich hier. Danke an alle, die uns unterstuetzt haben, an uns gedacht haben, den Spot-Messenger verfolgt haben und in Gedanken bei uns waren.

Art und Sebastian (wahrscheinlich auch im Namen von Hardy, Lemmi, Philip und Lorenz, die den Text gleich zu lesen bekommen)

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Kommentare

OK, wir sind neidisch! Seb, dein Blogeintrag heute hat uns berührt – du hast wohl das erfahren, was wir dir gewünscht haben, ob Negatives oder Positives. Gratulation zur “bestandenen Prüfung” und gute Wünsche für die Auktion -und dass ihr wohl erhalten wieder zurückkommt. Habt ihr toll gemacht! Allerliebste Grüße Mup XXXXXXXXXXXXXXXX

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