9.03.2010

8. März 2010

Tag 7 und 8

Marrakesch – Aglou Plage – Layonne

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(Seb)

Als wir aufstanden war der Campingplatz schon fast leer, nur noch ein paar Teams und die Orgs waren vor Ort. Kurze Zeit später, wir waren gerade dabei, uns für die Dusche fertig zu machen, verließen dann auch die Orgs den Campingplatz. Das war bisher immer so gewesen und hatte ohne Probleme fuer uns funktioniert. Heute sollte es dann aber mal nicht so gut klappen. Wir machten uns langsam fertig, tranken noch einen Kaffee an der Rezeption des Campingplatzes und kauften noch gemütlich ein. Dann ging es los, immer Richtung Atlasgebirge. Wir hatten die, von den Orgs vorgeschlagene und mit ihnen abgesprochene, Alternativroute gewählt. Während viele Teams den weitaus weniger aufwändigen Weg zum nächsten Campingplatz in Aglou Plage gewählt. Wir wollten unsere Boldien bis auf knapp 2.200 Meter hinauf- und wieder herunter quälen. Wenn schon Rallye, dann richtig.

Die Strecke ist auch absolut mit einem normalen Mercedes Kombi zu bewältigen, allerdings sagten uns die Orgs auch, dass es bis zu neun Stunden bis zum Ziel dauern könnte, „wenn es schlecht läuft“. Diese Worte waren ungefähr soweit weg, wie das Altlasgebirge, als wir starteten. Sie würden uns aber im Laufe des Tages wieder einfallen. Es regnete wie aus Eimern, als wir Marrakesch hinter uns ließen und in die Ausläufer der Berge ein fuhren. Im letzten Bergdorf mit Tankstelle wurden alle Wagen noch mal betankt, dann ging es auf engen Passstraßen, vorbei an Ziegenherden, winkenden Kindern, kleinen Dörfern, steilen Hängen und reißenden Bächen immer weiter in den Atlas. Wir hatten im Vorhinein so viel über die Passstraße gehört und wurde nicht enttäuscht, die fast volle Speicherkarte ist Zeuge der unglaublichen Ausblicke, die uns das Atlasgebirge an diesem Tag bot. Anfangs ließen wir es schön ruhig angehen, hielten hier und da, machten Gruppen- und Autofotos und genossen die warme Sonne in den Wagen. Mit dem Erreichen des Tiz n Test-Passes (von uns auch Rock-A-Tiki-Pass genannt) auf über 2.000 Metern änderte sich das Wetter schlagartig, fast so, als würde die Regen- und Nebelfront, in die wir fuhren, nicht über den Berg kommen. Die Sicht lag teilweise bei weniger als zehn Metern, der Regen prasselte auf unsere Wagen nieder und die LKWs, die uns in den engen Kurven entgegen kamen, machten die ganze Sache auch nicht leichter. Mir wurde bei dem Gedanken mulmig, dass ich nicht weiter als 50 Meter sehen konnte, es aber direkt neben uns 1.000 Meter senkrecht hinunter ging.

Dann sandte sich Jumbo noch kurz ein, wurde aber von uns herausgezogen und weiter ging es. Kurze Zeit später übersahen wir ein Schlagloch und zerstörten uns irgendetwas an der Feder. Aber Hardy, unser Mercedesfachmann, meinte, dass es schon okay sei und so setzten wir unseren Weg fort.

Je tiefer wir wieder kamen, desto besser wurde das Wetter. Zum Schluss, auf knapp 500 Meter war es dann sogar richtig gut. Allerdings kam dann das zweite Problem, dass wir schon den ganzen Tag mit uns herum schleppten, zum Tragen: die Zeit. Denn bis zum Einbruch der Nacht war es nicht mehr lange und wir hatten noch mindestens die Hälfte der Strecke bis zum gewählten Zielort vor uns. So entschlossen wir uns, einen anderen Weg zu nehmen und den von den Orgs vorgeschlagenen Campingplatz in Aglou Plage anzusteuern. Das es bis dahin auch noch 200 Kilometer sein würden, war uns zuerst nicht bewusst, dann egal, zum Schluss allerdings wünschte sich wahrscheinlich jeder von uns, dass diese Nachtfahrt endlich ein Ende nahm. Verwöhnt von den marokkanischen Autobahnen, dachten wir uns, dass die „Bundesstraßen“ so schlimm nicht sein könnten. Falsch gedacht. Meiner Meinung nach hat der marokkanische Verkehrsminister nach dem Bau der tollen Autobahnen schlichtweg vergessen, dass es noch andere Straßen in Marokko gibt. Ich habe noch nie so viele Schlaglöcher auf einem so kurzen Stück Straße gesehen, wie auf dem Weg aus den Bergen und nach Agadir.

Um 22 Uhr kamen wir erschöpft, aber glücklich, dass wir es endlich geschafft hatten, am Campingplatz in Aglou Plage an.Wir hatten die Nachtfahrt durch Marokko überlebt und schworen uns direkt, dass wir nie wieder (auf der Rallye und außer an Ruhetagen) so spät aufstehen und losfahren würden. Dann wurden die Zelte aufgebaut und wir feierten unsere afrikanische Feuertaufe mit teurem marokkanischen Bier. Dass das „in der Nacht ankommen“ zum festen Ritual werden würde, war uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar.

(Art)

Wie hat man es schon in James Bond gelernt? Sag niemals nie. Bei uns müsste es heißen, schwör niemals nie. Beim allmorgendlichen Briefing, ich hatte ehrenhaft im Schnick-Schnack-Schnuck verloren und vertrat Jumbo Pott für Afrika, erfuhr ich, dass wir würden sowieso nicht vor Einbruch der Dunkelheit den Campingplatz in Layonne erreichen wurden. Daraufhin wurde unser Anspruch, schnell aufzubrechen ein wenig gedämpft.

Weitere Punkte des Briefings waren Informationen zu korrupten Polizisten, Wassermangel auf der Strecke, günstiger Sprit (ca. 70 Cent für einen Liter), Skorpionen und die der Hinweis auf die zu erwartende traumhafte Strecke.

Nach gemütlichen Zusammenräumen und Frühstück wurde unser Schaden vom Atlasgebirge unter die Lupe genommen. Ergebnis: eine gebrochene Feder vorne rechts. War keine gute Diagnose, aber es hätte schlimmer kommen können. In Deutschland ist dies weniger ein Problem, doch hier könnte so ein Schaden bei den Straßenverhältnissen nicht lange standhalten. Also wurde beschlossen die nächste Werkstatt anzufahren. Dies taten wir ca. 20 km nach unserem Campingplatz. An einer kleinen Tankstelle kümmerten sich sofort drei Mechaniker um unser Auto. In einer abenteuerlichen Reparatur wurde die Feder gedreht und der Wagen läuft wieder wie neu. Als Entlohnung bekamen die drei 400 Dihram (knapp 40 Euro) und einen Mercedes LKW von Team Jumbo. Ein fairer Preis, hätte diese Reparatur bei einem Mercedesvertragshändler so um die 1.000 Euro gekostet. Glücklich dat uns Mandy wieder fuhr machten wir uns daran viele Kilometer „abzureissen“, da wir nun doch recht weit hinter den anderen Rallyeteilnehmern zurück lagen. Vorbei ging es an einer wunderschönen Steilküste, die viele andere Abenteurer zum paragliden nutzten. Als wir dann nach einer knappen Stunde ins sehr schöne und blühende Hinterland fuhren, säumten den Weg viele große marokkanische Familien zum Picknick. Wir hätten ihnen gerne Gesellschaft geleistet, doch die Zeit drängte leider – noch 350 km zu fahren und hatten schon Nachmittag.

Ab und zu durchfuhren wir kleinere Ortschaften, wie z.B. Guelmin. Guelmin brachte uns drei Dinge. Die Erkenntnis, dass man in marokkanischen Städten von Strassenschildern nicht viel hält, viele schöne Fotos von einheimischen Menschen und es gab die erste Spontanspendenaktion von Team Jumbo und Africar. Nachdem wir zum vierten mal am gleichen Platz vorbei fuhren, hielten wir, um nach dem Weg zu fragen. Sofort kamen viele Kinder zu uns an die Autos und fragten nach Cadeaux (Geschenk). Wie uns beichtet wurde, „Haben wir ihnen gerne gegeben, aber irgendwie haben sie es sich auch genommen…“.

Die nachfolgenden Stunden konnten wir dann, bis auf die üblichen P – Pausen, ohne größere Unterbrechungen durchfahren.Wieder mussten wir durch die Nacht fahren, was sich hier immer wieder als recht anstrengend zeigt. Auf den letzten fünf Kilometer bekamen wir unsere erste Off-Road Erfahrung, da der Weg zum Campingplatz eine sandige Buckelpiste war. Orientiert wurde sich an kleinen Rückstrahlern, die von Zeit zur Zeit in der Dunkelheit auftauchten. Am Campingplatz wurde in nun schon bewährter Manier das Lager aufgebaut, auf das ein beeindruckender Sternenhimmel und eine nicht weniger schöne Discokugel hinunter strahlte.

Kommentare

Eine aufregende Zeit! Gut, dass wir es erst in dieser Form zu hören bekommen ;) Die Fotos sind einmalig!!!! MuP XXXXXXXXXXXX

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