22.02.2010

Wochenendrundumschlagseintrag

Wo sollen wir anfangen? Bei der Party? Den vielen Spenden? Dem Werkstattaufenthalt bei Torsten in Mengede? Unserer Solardusche? Unseren neusten Sponsoren?

Fassen wir zunächst einmal zusammen: Wow, was ein geiles Wochenende. Fassen wir außerdem zusammen: egal wie lange man Vorlauf hat, auch wenn die Planungen für die Rallyeteilnahme im vergangenen Frühjahr begannen, am Schluss kommt es immer nur auf die letzten paar Tage an, die am letzten Freitag für uns anbrachen. Wirklich bewusst wurde uns die Knappheit der verbleibenden Zeit erst, als Art meinte: “Ab heute gibt es keinen Tag mehr doppelt!”. Und damit sind wir auch schon beim vergangenen Freitag.

Freitag, oder T-Shirts, ne Party, Tombola mit vielen Gewinnen und ein Spendenerlös, der uns von den Socken gehauen hat

Eigentlich sollte der Freitagnachmittag ganz entspannt werden; wir wollten ein bisschen Pils für die Abschiedsparty kaufen, noch ein paar Brote und sonstige Fressalien organisieren und dann die viele Zeit nutzen, die wir noch bis zum Start der Party hatten. Das änderte sich allerdings mit einer E-Mail, die uns am Freitagmorgen erreichte und in der uns Sascha von 4600-Dortmund anbot, zwei T-Shirts für unsere Rallye zu sponsoren. Also wurden erstmal die Bierkauf-Pläne über den Haufen geworfen und die zweite T-Shirt-Anprobe der Woche durchgezogen. Mit den “I love U”-Shirts und jetzt auch mit den “4600-Dortmund”-Shirts können wir gar nicht mehr Lokalpatriotismus mit auf den Weg gen Gambia nehmen. Als wir uns von Sascha verabschiedeten, war die viele Zeit, die wir eigentlich hatten, auf einen gefährlich niedrigen Wert gesunken. Also ab in die Rallyekarre, mit Zwischengas durch die Stadt und schnellstens zwölf Kisten feinstes Union-Pils organisiert. Wieso Union? Weil es am besten zu unserem Logo passte. Und durch mehrmaliges Probieren auch schon seinen exzellenten Geschmack unter Beweis stellen konnte. Bei der Gelegenheit merkten wir dann auch, dass unser Bolide ziemlich genau 12 Kisten Pils laden kann, zumindest mit dem von uns installierten Zwischenboden. Abgehetzt parkten wir den Wagen vor der privaten Partylocation und hatten Gott-sei-Dank willige Helfer, die mit uns die Kisten in die Wohnung schleppten. Wo eigentlich ne entspannte Dusche angedacht war, blieb jetzt nur noch Zeit für frische Socken.

Gegen 21 Uhr füllte sich die Wohnung und wir hatten mit Christianes Hilfe die ersten Lose unter die Leute gebracht, also konnten wir zum ersten Tagespunkt übergehen: der Tombola. Zu gewinnen gab es alles was das Herz begehrt, aber vor allem Kugelschreiber. Getreu dem Motto, es gibt keine Nieten, durfte sich jeder zumindest über einen kleinen Preis freuen. Bei den Großpreisen (Fußbälle, signierte Trikots und weiteres Gedörns) räumten vor allem zwei Leute mächtig ab: Sebastians Eltern. Nach anfänglichen Schiebungsgerüchten war aber schnell klar, dass man, wenn man knapp 20 Prozent der Lose gekauft hatte, einiges gewinnen würde. Das Rallye-Sparschwein füllte sich und der Tombola-Tisch leerte sich, ähnlich schnell übrigens wie die Kisten Bier, die auf dem Balkon aufgebaut worden waren. Dies war wohl vor allem den Mitgliedern eines Fußballvereins namens Grashüpfer Olpkebach geschuldet, die nicht nur den Abschied ihrer beiden Rallyefahrer begießen konnten, sondern auch den 22. Geburtstag ihres Vereins ausgiebig begossen.

Christiane hatte, zusammen mit Sebastians Mutter, lecker gekocht und zubereitet und so war die Küche, gleich nach dem Balkon (Bier!), beliebter Treffpunkt. Danke an die Damen für die Mühe der Vorbereitung. Chili con Carne und Wurstbrötchen waren der Hammer! Viele Gäste hatten uns kurz vor Toresschluss noch tolle Spenden mitgebracht, die wir in der Schule in Gambia verteilen werden. Ganz besonders haben wir uns dabei über die Tüte von Alex – voll mit Buntstiften, Blocks, Buchstaben und allerlei Schulsachen – gefreut, die mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit einige Kinderaugen zum leuchten bringen werden. Und auch ein Name für unser Auto ist dank
Sturmy und Leonie gefunden: unser Benz heißt ab sofort “Mandy”. Immerhin: kein Bindestrichname.

Gegen zwölf Uhr dann die zweite Tombola, bei der sich wieder Sebastians Eltern hervortaten, diesmal neben den zahlreichen Gewinnen mit einer förmlich überchristlichen Nächstenliebe, als sie Teile ihres Gewinnes unter den anwesenden Leerausgegangenen verteilten. In der Wohnung in der Lindemannstraße wurde Wohltätigkeit schon lange vor dem Start der Rallye gelebt.

Nach der zweiten Tombola ging es dann ans Eingemachte: der Strobo wurde rausgeholt, die Musik nahm an Fahrt auf und die begeisterte Menge tanzte zu Hits wie “Somebody dance with me” vom Eidgenossen Nr. 1 oder “Disco Pogo” von irgendwelchen Hauptstadt-Rapper, die meinen, sie wären der neue DJ Bobo. Irgendwann, so um fünf Uhr herum, wurden die letzten Partygäste zur Tür begleitet und sanft in die Nacht entlassen. Dann ging es fix ins Bett, denn um neun Uhr mussten wir bei Torsten in Mengede in der Werkstatt stehen, dazu aber mehr am….

Samstag, oder drei Stunden Schlaf, ein Tablett Brötchen, ein Unterbodenschutz, der Seinesgleichen sucht und eine Federung, die den Namen wieder verdient

Kennt ihr das? Wenn man sich außerhalb seines Körpers befindet und sich selbst dabei zuschauen kann, wie man bei den banalsten Sachen scheitert? So fühlten wir uns nach knapp drei Stunden Schlaf, noch nicht einmal eine kalte Dusch brachte eine spürbare Verbesserung, auch nicht der Kaffee an der Tanke. Um kurz nach neun Uhr waren wir dann aber doch irgendwie in Torstens Werkstatt in Mengede angekommen, irgendwie. Voller Tatendrang (Torsten) und einfach nur voll (wir) wurde der Bolide auf die Bühne gehoben und Torsten begann gleich damit, die hintere Federung in Ordnung zu bringen. Wir standen staunend dahinter und wunderten uns, was man alles mit einem Knarrenkasten anfangen kann, wenn man nur weiß, was man tut. Nach einiger Regenerationszeit, in der wir einfach nur existierten, konnten wir dann aktiv ins Geschehen eingreifen und unser Können an den Auspuffgummis aufblitzen lassen. Allerdings war das “Aufblitzen” dann eher ne Notbeleuchtung und es war wieder fachmännische Hilfe gefragt. Aber hey, die alten Sitze (die uns Torsten gegen welche in fast wie neu tauschte) haben wir fast selbst aus und ein gebaut. Dann gab es irgendwann Brötchen, die Sebastian holen durfte und es wurde gegessen und gearbeitet. Torsten und sein Werkstattkollege (Sorry, Namen vergessen. Begründung: massig Restalkohol. Ich glaube aber, es war Alex.) aßen und schraubten, wir aßen. Nachdem die Bulleneier (jawoll, die heißen so, zumindest inoffiziell) gegen gute gebrauchte getauscht waren, ging es an den Unterbodenschutz für die Ölwanne, die Torsten und sein Werkstattkollege fachmännisch aus einem dicken Blech und zwei Rohren kreierten. Damit ersparten die beiden uns nicht nur Probleme in der Wüste, sondern auch den Aufenthalt in der Werkstatt kurz vor der Sahara – der letzten Gelegenheit, den Wagen wüstentauglich zu machen – und schenkten uns damit einen Ruhetag zusätzlich! Außerdem wurden die Motoraufhängung und die Gummis über den vorderen Federn gewechselt, was den Effekt hat, dass er jetzt im Stand nicht mehr vibriert und schön hochbeinig durch die Gegend rollt. Kurz vor Feierabend fiel Torsten dann noch auf, dass ein Reifen ne Beule hatte und gewechselt werden musste und das zusätzlich die hintere, rechte Bremse alles tat, nur nicht bremste. Nach beherztem Feileneinsatz konnten wir uns über ein zusätzliches, gebremstes Rad freuen.

Als Torsten uns gerade bescheinigen wollte, dass unser Auto doch gar nicht so schlecht ist, machte die Niveauregulierung (die pumpt das Auto hinten hoch, wenn es voll belanden ist) Mucken und kostete Torsten (wir ruhten uns derweil auf den ausrangierten Sitzmöbeln des Benz aus) eine weitere halbe Stunde. Dann war es endlich geschafft und nach einer kurzen Probefahrt bekamen wir das OK von Torsten. Nach Gruppenfoto und Feierabendbier durfte Art das neue, wie er sagte, bombastische, Fahrgefühl des Benz austesten, während Sebastian im A2 auf der A45
folgte. Damit endete zumindest für Sebastian der Samstag, da er nach dem Essen gegen neun Uhr komplett fertig einschlief. Art hatte noch eine Feier am Abend vor sich und freute sich riesig darauf – echt.

Montag, oder ist das überhaupt noch Wochenende, Sebastians letzte Impfung, Arts Probleme mit dem Impfbuch, ein Spannungswandler und eine unglaublich coole Art, sich in der Wüste zu duschen

Der Sonntag verlief weitestgehend als Ruhetag, an dem man sich, wenn überhaupt, nur gedanklich mit der Rallye befasste. Heute war dann aber wieder “high life” in Sachen Rallyevorbereitung. Die letzten Aufkleber (jetzt aber wirklich die letzten, versprochen) wurden bei autoaufkleber24.de (Dank dir, Frank, für die viele Unterstützung) bestellt, Sebastian trat an zur finalen Gelbfieber-Impfung, Art wollte seinen Impfausweis abholen und stand vor einer verschlossenen Tür und dem Schild “Urlaub vom 22. bis zum 26. Februar”. Das ist natürlich insofern unpassend, da wir am 26. nach Dresden fahren und man ohne Impfausweis nicht nach Senegal einreisen darf, sprich die Rallye nicht zu Ende fahren kann – und das wäre ja eher doof. Aber Art wird sich ans Telefon hängen und dann geht das schon und sowieso, passiert es alles nur Inschallah, um mal etwas auf den arabisch-afrikanischen Teil unserer Reise vorzugreifen. Mittags war dann ein gemeinsames Treffen auf dem Uni-Parkplatz angesagt und Art präsentierte die neusten Errungenschaften, unter anderem ein 12V-Umwandler, an den wir unseren Laptop anschließen können und eine Abdeckplane für den Dachgepäckträger/Sonnenschutz. Außerdem hat ein Kollege von Art uns eine unglaublich coole Konstruktion auf den Gepäckträger gebaut, bestehend aus zwei schwarz gesprühten Rohren, die wir mit Wasser füllen können und die dann durch die Wüstensonne aufwärmen, zwei Anschlüssen auf beiden Seiten des Wagens und einer Halterung für einen Duschkopf, ja genau, ein Duschkopf. Denn Arts Kollege hat uns eine riesige Solardusche aufs Dach gezaubert, die sicherlich für den ein oder anderen neidischen Blick in der Sahara sorgen wird.

Soviel erstmal von den letzten paar Tagen. Wenn wir irgendein Detail vergessen habe, dann kommt das daher, dass einfach so viel passiert ist und uns das wahrscheinlich erst nach und nach in allen Einzelheiten wieder einfallen wird. Die nächsten Tage stehen dann ganz im Zeichen der Vorbereitung, ab Mittwoch haben wir beide frei und können zwei Tage durchpowern, um die letzten Feinheiten zu regeln. Der Kunstrasen, den Art besorgt hat, muss noch hinten auf den wieder zu installierenden Zwischenboden, die Kühlbox muss standesgemäß untergebracht werden und, ach ja, wir müssen mal sehen, ob wir überhaupt alles in den Rallye-Benz rein bekommen. Inschallah halt, bzw. auf Deutsch: Passt scho’, äh, so Gott will.

Ach ja, bevor das hier noch untergeht: Am Sonntag ging die Abstimmung für unser Team-Lied während der Rallye zu Ende. Gewonnen, mit fast 50 Prozent der Stimmen und damit sehr deutlich, hat Arts Vorschlag: Thomas D mit Rückenwind. Danke an alle Leute, die abgestimmt haben und uns ein gemeinsames Lied für die drei anstrengenden Wochen im Auto beschert habt.

Kommentare

Eure Party war absolut super; wir sind sehr glücklich darüber, dass ihr so viele supernette Freunde habt. Überwältigt sind wir auch von der Bereitschaft, zu helfen – allen voran Torsten und (?) Alex. Hoffentlich hat Art seinen Impfpass, müsste klappen, nachdem ihr den Allmächtigen so oft angerufen habt…Wir wünschen euch beiden ein tolles Abenteuer und dass ihr sicher und um einige gute Erfahrungen reicher nach Dortmund zurückkehrt.
P.S. Für solche Partygäste, die diese Seite lesen: Das mit den Losen war wirklich nicht Schiebung, und wir haben nicht gewusst, dass wir etwa 20% der Losen gekauft hatten! Falls es jemanden interessiert, Sebastians Mutter hat in ihrem ganzen Leben bei verschiedenen (und vielen) Tombolas (Tombolae?) insgesamt ein paar Socken und ein Päckchen Tee gewonnen ;) Irgendwann muss der Mensch Glück haben…

Hab vergessen die Dusch zu reqähnen. Klasse!

erwähnen, meine ich ;)

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